Kommissar Grantinger und das Vierte Reich

cover grantingerDer Kommissar Grantinger ist strafversetzt worden. Seine Tüchtigkeit hat viele genervt.  Seine Strafversetzung nach Falkenburg machte ihn fast arbeitslos. Bis Jonny Thaler ein Herz, das an die Kirchentür genagelt worden ist, gefunden hat. Schnell meldet sich ein Neffe, der die alte Frau umgebracht haben will. Dazu verteilen Rechtsradikale Flugblätter mit ominösen Sprüchen. Der Statsanwalt Dr. Pfeifer, Grantingers Lieblingsfeind, mischt sich überall ein,  was sogar zu einer Entführung Anlass gibt.

ISBN: 10-3954526778
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Grantingerflyer

Montag, 22. Mai

Umfrage: Die Falkenburger am glücklichsten

Laut Umfrage der FGM (Forschungsgesellschaft Mensch) leben in Falkenburg die glücklichsten Bürgerinnen und Bürger in Bayern.

 

Falkenburger Bote

Das Herz

»Du, Hackepeter, i hätt a Herz zum Verkaufn!«

»Johnny, jetzt reichts. Letztes Mal hast du mir eine überfahrene Katz gebracht, davor eine Waschbärenleich. Ich brauch nichts. Ich krieg meine Sachn vom Schlachthof in Regensburg.«

Trotz der Zurückweisung durch den Falkenburger Metzger Peter Hacker, Spitzname Hackepeter, hievte Johnny Thaler seine Aldi-Tüte so heftig auf die blitzblanke Glastheke, dass der Inhalt herauspurzelte und auf die Weiß- und Wiener Würste fiel.

»Jessas, Maria und Josef! Das ist ja ein Menschenherz!«

»Ja, freili, sag i doch, a Herz!«, betonte Johnny.

Der Metzger fischte es aus seinem Wurstangebot und verstaute es in der Tüte.

Die Frau Lehrerin, Fritzi Pfister, die Giftnudel des Orts, die gerade Blutwürste gekauft hatte, mischte sich ein.

»Das ist aber ein komisches Herz.«

»Ein Menschenherz is es«, wiederholte der Metzger und kaute an seinem rechten Daumennagel.

Die Lehrerin rief zwei weitere Käuferinnen herbei. Dicht umringten sie Johnny und das Herz und stießen höchst erregt Fragen hervor.

»Wo hast du das her?« »Wem gehört es?« »Wer ist gestorben?« »Wie ist er gestorben?« »Wer hat das Herz herausgeschnitten?« »Das sieht nach einem Mord aus?« »Ein Mord?« »Ja, das muss ein Mord gewesen sein.« »Johnny, hast du jemanden umgebracht?«

Angsterregend drangen die Frauenstimmen auf Johnny ein, ohne dass er den Inhalt des Wörterschwalls ganz verstanden hätte.

Johnny Thaler, Schreiner in den »Pestalozzi-Werkstätten«, war bei den Falkenburgern wegen seiner Fröhlichkeit sehr beliebt. Wenn der Dreißigjährige nicht in der Behindertenwerkstatt der Brüder vom Heiligsten Herzen Jesu arbeitete, streifte er in seinem T-Shirt mit dem Spruch »Falkenburg – mia san mia« durch die Straßen und fing mit allen, denen er begegnete, ein Gespräch an. Seine Unbekümmertheit gefiel den Falkenburgern. Immer noch lachen sie über seinen Zwischenruf während der Rede des Bürgermeisters Josef Kreitler, in der dieser sich für eine Chemiefabrik, die keiner wollte, aussprach. Mit dem Satz »Sepperl, du bist a Depperl« hatte er ihn lächerlich gemacht. Die Fabrik wurde nicht gebaut!

Obwohl die Ärzte bei ihm eine leichte bis mittelgradige Intelligenzminderung festgestellt hatten, war er gewitzt und einfallsreich. Keiner konnte ihm etwas vormachen. In der Schule allerdings bekam er keine guten Noten.

Die Vermutung der Frauen, er wäre an einem Mord beteiligt gewesen, verwirrte ihn. Unangenehmes schien sich über ihm zusammenzubrauen.

»I hab niemanden umbracht. An de Kirchentür wars gnagelt. Hackepeter, i gebs dir um zwei Euro.«

Die drei Damen diskutierten schrill, was zu machen sei. Schreckensschauer beim Anblick des Herzens regten ihre Fantasie und Redelust an. Es muss ein Mord gewesen sein! Endlich eine Sensation in Falkenburg! Und eine ganz grauenhafte dazu!

 

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